"Das Passivhaus benötigt in einem Jahr nur noch 

1,5 Liter Heizöl pro Quadratmeter"

 

Fuldaer Zeitung vom 24.08.2000

 

Wie lebt es sich im Energiesparwunder Passivhaus? Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Baustandard der Zukunft

Der Passivhaus-Standard hat sich in Deutschland schnell verbreitet: Innerhalb des letzten Jahres hat sich die Zahl der bewohnten Passivhäuser verdreifacht, und auch in diesem Jahr wird dieselbe Steigerung erreicht: Ende 2000 werden über 900 Wohneinheiten in Passivhaus-Standard bewohnt sein. Passivhäuser sind wahre Energiesparwunder, denn sie werden hauptsächlich "passiv" von der Sonne erwärmt. Sie benötigen nur mehr ein Zehntel der Heizenergie des durchschnittlichen Gebäudebestandes und können deshalb auf ein herkömmliches Heizsystem verzichten. Umgerechnet in Heizöl verbraucht ein Passivhaus weniger als 1,5 Liter Quadratmeter Wohnfläche. Zu häufig gestellten Fragen will das Passivhaus Institut, Darmstadt, hier Antworten geben:

Kann ein Haus tatsächlich ohne Heizung funktionieren?
Die bereits bewohnten und auch gemessenen Passivhäuser beweisen es eindeutig: Auch in unserem Klima ist es möglich, Häuser mit einem derartig geringen Heizwärmebedarf zu bauen, dass eine minimale Zulufterwärmung ausreicht, um das Haus auch im Winter behaglich warm zu halten; Die Messergebnisse aus den Passivhaus-Siedlungen beweisen, dass der Heizwärmebedarf schon im Voraus genau berechnet werden kann und dass auch bei den unterschiedlichsten Nutzern der berechnete Bedarf im Mittel bestätigt.

Sind Passivhäuser nicht zu teuer?
Auch wenn es inzwischen schon Bauträger gibt, die Passivhäuser genauso günstig wie konventionelle Häuser anbieten, so gilt doch im Allgemeinen, dass die hohe Qualität der Passivhaus- Komponenten beim Bau für Mehrkosten sorgt. Für bereits gebaute Passivhäuser wurden diese Mehrkosten genau berechnet: Bei einem Reihenmittelhaus mit 100 Quadratmeter Wohnfläche in Hannover-Kronsberg lagen sie bei rund 15 000 Mark, bei einer Doppelhaushälfte in Nürnberg mit 130 m² Wfl. bei 25700 DM.

 

 

Die Energieeinsparung, die jährlich zwischen 1000 und 2000 DM ausmacht, sowie steuerliche Vorteile (Öko-Zulage) und der Zinsvorteil durch die Passivhaus Förderung der Kreditanstalt für Wiederaufbau bewirken aber, dass das Passivhaus im Vergleich zu einem konventionellen Gebäude auf Dauer die günstigere Lösung ist.

Darf man im Passivhaus die Fenster öffnen?
Natürlich dürfen die Bewohner jederzeit die Fenster öffnen, sie müssen es aber nicht, denn im Passivhaus kommt immer ausreichend Frischluft über die Lüftungsanlage. Das hat viele Vorteile: Dank der Feinfilter bleiben Schmutz und Pollen draußen, die Luftqualität im Haus ist immer hervorragend. Im Winter sollten allerdings die Fenster nicht über längere Zeit offen stehen, denn das führt - wie bei allen Häusern- dazu, dass die Raumlufttemperatur spürbar abkühlt und der Heizwärmeverbrauch ansteigt.

Häufig gibt es Bedenken wegen der Lüftungsanlage: Wie steht es
mit Bakterien, Geräuschen und spürbarem Luftzug?

Die Lüftungsanlage im Passivhaus ist eine Frischluftanlage und keine Klimaanlage mit Umluftbetrieb, nur in letzterer können - bei schlechter Wartung -Probleme mit Keimen entstehen. Geräusche durch Ventilatoren und an den Luftventilen werden durch Schalldämpfer fast vollständig absorbiert. Die Frischluft wird über Weitwurfdüsen so in den Raum eingeworfen, dass sie zunächst an der Decke entlang streicht und dann den Raum gleichmäßig und mit nicht wahrnehmbarer Geschwindigkeit durchströmt.

Ist das Passivhaus nicht ein kompliziertes High-Tech-Haus?

Das Passivhaus ist ein sehr gutmütiges und einfach zu bedienendes Haus. Die Komfortlüftung hat weniger Schalter wie ein Fernseher! Das Passivhaus bietet Technik zum Anfassen. So kann der jährliche Filterwechsel von den Bewohnern selbst durchgeführt werden, hierfür muss kein Handwerker geholt werden.

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