Quelle:
Hamburger Abendblatt
Donnerstag, 16. Februar 2006

 

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Umweltstaatsrätin – bei Kälte lädt sie Gäste ein

Hätte Herlind Gundelach (56) einen Hund, er wäre ihre Heizung. Statt dessen lädt sich die Umweltstaatsrätin Freunde ein, wenn ihr kalt ist. Denn Gäste bringen Energie in Ihr Haus in Wilhelmsburg, genug für ein warmes Wohnzimmer oder sogar eine Badewanne voll mit heißem Wasser. Sie wohnt in einem „Passivhaus“. Wände und Fenster sind lückenlos isoliert, selbst wenn es friert und schneit, die Kälte bleibt draußen. Eigentlicher Clou ist aber eine Wärmepumpe im ersten Stock: Mit Energie von „passiven“ Wärmequellen, etwa Menschen, heizt sie frische Luft von draußen auf, bereitet heißes Wasser und lüftet die Zimmer.
     Schneeflocken wirbeln vor dem Fenster. Drinnen sind 21 Grad, kein Laut dringt durch die einen halben Meter dicken Wände. Die Staatsrätin trinkt Tee und blickt hinaus auf eine vereiste Windmühle. Kältewelle? Steigende Heizkosten? Derartige Sorgen scheint es nur jenseits der dreifach verglasten Fensterscheibe zu geben. Rund 200,- EUR im Jahr für 160 Quadratmeter zahlt Gundelach, Badewasser inklusive. Ein Großteil davon ist der Stromverbrauch der Wärmepumpe. Nur wenn die Alleinlebende länger nicht zu Hause ist, schaltet sich eine zusätzliche Heizung ein.
     Kühl wird es selten. Die Schwäbin ist gesellig und empfängt gerne Gäste, um bei einem Gläschen Wein den Tag ausklingen zu lassen. „Die Norddeutschen machen das viel zu selten. Die Kneipen sind hier leerer als in meiner Heimat“, sagt die gebürtige Aalenerin. Und an ruhigen Abenden wärmt Brahms. Oder Bach. Manchmal auch Haydn. Besser gesagt die Stereoanlage, die Stücke der Komponisten spielt, wenn die Staatsrätin ihre Füße hochlegt und Akten studiert. Denn alle elektrischen Geräte strahlen Wärme ab.
     Das Leben scheint einfacher im Passivhaus. „Es ist pflegeleicht“, sagt die promovierte Historikerin, Philosophin und Politologin. Wenn sie kocht, dann deftig: Selbstgeschabte Spätzle, dazu einen „anständigen“ Braten mit Soße. Doch Gerüche verschwinden auch bei geschlossenem Fenster, die Wärmepumpe sorgt pausenlos für frische Luft. Und weil sie dabei auch Staub filtert, benutzt die reinliche Staatsrätin Ihren Staubsauger nur selten. Regeln gebe es keine: „Alle sechs Monate den Filter der Wärmepumpe wechseln, der Rest passiert von alleine.“ Nur aufpassen, dass es nicht zu warm wird: Als die Staatsrätin zu Weihnachten gemeinsam mit ihrer Tochter Corinna (22) die Kerzen am Baum angezündet hatte, musste sie kurze Zeit später schwitzend Fenster und Terrassentür aufreißen.
     Herlind Gundelach will sich dafür einsetzen, dass Passivhäuser in Hamburg stärker gefördert werden. Warum werden nicht längst alle Häuser so gebaut? Die Technik ist erschwinglich, etwa hundert Euro pro Quadratmeter kostet ein „Passivhaus“ im Bau zusätzlich, ein Umbau ist für 150 Euro pro Quadratmeter möglich. Auch für Sozialwohnungen eignet sich die Bauweise, wie eine Siedlung in Lurup zeigt. […]

 


Blick auf die Mühle: Herlind Gundelach in ihrem Wohnzimmer.


Das neue Passivhaus in Wilhelmsburg.

 

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