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Umweltstaatsrätin – bei Kälte lädt sie Gäste ein
Hätte Herlind Gundelach (56) einen Hund, er wäre ihre Heizung. Statt dessen lädt
sich die Umweltstaatsrätin Freunde ein, wenn ihr kalt ist. Denn Gäste bringen
Energie in Ihr Haus in Wilhelmsburg, genug für ein warmes Wohnzimmer oder sogar
eine Badewanne voll mit heißem Wasser. Sie wohnt in einem „Passivhaus“. Wände
und Fenster sind lückenlos isoliert, selbst wenn es friert und schneit, die
Kälte bleibt draußen. Eigentlicher Clou ist aber eine Wärmepumpe im ersten
Stock: Mit Energie von „passiven“ Wärmequellen, etwa Menschen, heizt sie frische
Luft von draußen auf, bereitet heißes Wasser und lüftet die Zimmer.
Schneeflocken wirbeln vor dem Fenster. Drinnen sind 21
Grad, kein Laut dringt durch die einen halben Meter dicken Wände. Die
Staatsrätin trinkt Tee und blickt hinaus auf eine vereiste Windmühle.
Kältewelle? Steigende Heizkosten? Derartige Sorgen scheint es nur jenseits der
dreifach verglasten Fensterscheibe zu geben. Rund 200,- EUR im Jahr für 160
Quadratmeter zahlt Gundelach, Badewasser inklusive. Ein Großteil davon ist der
Stromverbrauch der Wärmepumpe. Nur wenn die Alleinlebende länger nicht zu Hause
ist, schaltet sich eine zusätzliche Heizung ein.
Kühl wird es selten. Die Schwäbin ist gesellig und
empfängt gerne Gäste, um bei einem Gläschen Wein den Tag ausklingen zu lassen.
„Die Norddeutschen machen das viel zu selten. Die Kneipen sind hier leerer als
in meiner Heimat“, sagt die gebürtige Aalenerin. Und an ruhigen Abenden wärmt
Brahms. Oder Bach. Manchmal auch Haydn. Besser gesagt die Stereoanlage, die
Stücke der Komponisten spielt, wenn die Staatsrätin ihre Füße hochlegt und Akten
studiert. Denn alle elektrischen Geräte strahlen Wärme ab.
Das Leben scheint einfacher im Passivhaus. „Es ist
pflegeleicht“, sagt die promovierte Historikerin, Philosophin und Politologin.
Wenn sie kocht, dann deftig: Selbstgeschabte Spätzle, dazu einen „anständigen“
Braten mit Soße. Doch Gerüche verschwinden auch bei geschlossenem Fenster, die
Wärmepumpe sorgt pausenlos für frische Luft. Und weil sie dabei auch Staub
filtert, benutzt die reinliche Staatsrätin Ihren Staubsauger nur selten. Regeln
gebe es keine: „Alle sechs Monate den Filter der Wärmepumpe wechseln, der Rest
passiert von alleine.“ Nur aufpassen, dass es nicht zu warm wird: Als die
Staatsrätin zu Weihnachten gemeinsam mit ihrer Tochter Corinna (22) die Kerzen
am Baum angezündet hatte, musste sie kurze Zeit später schwitzend Fenster und
Terrassentür aufreißen.
Herlind Gundelach will sich dafür einsetzen, dass
Passivhäuser in Hamburg stärker gefördert werden. Warum werden nicht längst alle
Häuser so gebaut? Die Technik ist erschwinglich, etwa hundert Euro pro
Quadratmeter kostet ein „Passivhaus“ im Bau zusätzlich, ein Umbau ist für 150
Euro pro Quadratmeter möglich. Auch für Sozialwohnungen eignet sich die
Bauweise, wie eine Siedlung in Lurup zeigt. […] |