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Quelle:

Stiftung Warentest Finanztest

Ausgabe April 2008

April 2008

   

VON HUNDERT AUF NULL

Niedrigenergiehaus. Vor zehn Jahren verbrauchte ein Neubau für Heizung 100 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr, heute sind 0 möglich.

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Niedrigenergiehaus ist Standard
[...] Wer heute dagegen ein Haus baut, das gerade die gesetzlichen Vorgaben erfüllt, kann sich da nicht so sicher sein. Die Energieeinsparverordnung (EnEV), die seit 2002 in Kraft ist, schreibt zwar das „Niedrigenergiehaus“ als Standard vor. Doch der Heizwärmebedarf für so ein Standardhaus liegt immer noch zwischen 70 und 90 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr.
[...] Architekt Christian Teege: „Wer heute ein Haus baut, das gerade die EnEV erfüllt, ist nicht zukunftsorientiert. Er baut sich ein Haus, das heute schon alt ist“.
    Ab 2009 will die Bundesregierung die EnEV verschärfen: Der gesetzlich zugelassene Energieverbrauch für Neubauten soll dann 30 Prozent geringer sein als heute.
    Entscheiden sich Bauherren in diesem Jahr für den besseren Standard, bekomm sie sogar noch Förderung dafür. Dann macht sich die Investition nach wenigen Jahren bezahlt.

    Sabine Stillfried vom Passivhaus-Institut blickt noch weiter: „Wir gehen davon aus, dass das Passivhaus 2015 Standard sein wird. Das Europäische Parlament fordert das Passivhaus ab 2011.

Förderung gibt keine Sicherheit
Um den Energiesparwillen der Bürger zu unterstützen, fördert die staatliche KfW Bank Bauherren, die mit ihrem Haus die Grenzwerte der EnEV deutlich unterschreiten. Sie bekommen günstige Kredite aus dem Programm „Ökologisch Bauen“.
    Gefördert werden neben dem Passivhaus die sogenannten KfW-60- und KfW-40-Häuser. Die 60 und die 40 stehen für den Primärenergiebedarf: Für Heizung und Warmwasserbereitung darf der Energieaufwand inklusive Erzeugung und Transport der Energie nicht mehr als 60 oder 40 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr betragen.

     Doch selbst wer eines dieser KfW-60- oder -40-Häuser baut, kann nicht sicher sein, dass er ein Energiesparhaus bekommt. Das bestätigt sogar die Fertighausindustrie. Detlef Bühmann, Präsident des Bundesverbands Deutscher Fertigbau (BDF): „In vielen Fällen werden Bauvorhaben gefördert, die keine Energiesparhäuser im eigentlichen Sinne darstellen, sondern lediglich eine andere Form der Energie benötigen. Am besten ist aber die Energie, die gar nicht verbraucht wird.“

Viele arbeiten mit Tricks
Prima tricksen können die Hersteller von Häusern mithilfe des Primärenergiefaktors. Der Faktor berücksichtigt, wie viel Energie für die Herstellung und den Transport eines Energieträgers benötigt wird. Er zeigt an, wie „gut“ ein Energieträger ist:
Für Strom beträgt der Faktor 2,7, für Gas oder Öl 1,1 und für Holz 0,2. Um den Primärenergiebedarf eines Hauses zu ermitteln, wird der Energiebedarf mit dem Primärenergiefaktor multipliziert. Hat das Haus eine Holzheizung – meist eine Pelletheizung -, kann es einen hohen Energieverbrauch haben, ohne dass der Primärenergiebedarf die gesetzlichen Grenzwerte überschreitet. Ein Schutz vor hohen Energiekosten ist das nicht.

 

 

 



 

 

Es fehlen klare Definitionen
Möglich wird diese verwirrende Rechnerei durch die Energieeinsparverordnung. „Die EnEV ist wie ein Kaugummi“, sagt Heiner Schulte von PAB Passivhaus. „Sie lässt sich in allen Richtungen beliebig dehnen.“
    Die EnEV schreibt Grenzwerte für den Energiebedarf vor, aber nicht, wie diese erreicht werden. „So ist es auch möglich, dass die Gebäudehülle schlecht gedämmt ist und nur durch energieeffiziente Heiztechnik die Grenzwerte erreicht werden“, sagt Joachim Zeller von der Gütegemeinschaft Niedrigenergie-Häuser.
    Verwirrend ist der Urwald von Begriffen. Es gibt 1-, 2- oder 3-Liter-Häuser, Sonnenhäuser, Polarhäuser und vieles mehr. Die Namen sollen dem Verbraucher signalisieren: Hier wird kräftig Energie gespart. Doch die Begriffe sind Wortschöpfungen und nicht geschützt.
    Die Anbieter dieser Häuser rechnen den Energieverbrauch zwar vor, beispielsweise, dass ein 1-Liter Haus nur 1 Liter Heizöl pro Quadratmeter und Jahr verbraucht. Aussagekraft haben diese Berechnungen jedoch nicht, wenn nicht offengelegt wird, welche Rechenverfahren und welche Bezugsgrößen ihnen zugrunde liegen.
    Für Standardhäuser und für KfW-geförderte Häuser gibt es zumindest die Energieeinsparverordnung als Grundlage, Passivhäuser werden nach dem Passivhaus Projektierungspaket (PHPP) berechnet. Doch das hilft nur in Grenzen.
    „Wir haben nachgerechnet“, sagt Schulte. „Ein 1-Liter-Haus, berechnet nach EnEV hat nach PHPP berechnet einen Bedarf von 3,2 Litern.“
    Auch der Begriff „Passivhaus“ ist nicht geschützt. Wer sichergehen will, sollte sein Haus zertifizieren lassen.

Fenster zu im Passivhaus
Schätzungsweise 8.000 Passivhäuser stehen mittlerweile in Deutschland – doch die Vorbehalte sind noch groß. Schulte: „Das Passivhaus verlangt ein Umdenken, ja. Wer nachts gern bei offenem Fenster schläft, muss sich umgewöhnen. Aber wer es ausprobiert, merkt: Durch die Lüftungsanlage wird so viel frische Luft zugeführt, dass er das geöffnete Fenster nicht vermisst.“

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Unser Rat

Baustandard. Versuchen Sie mit Ihrem Neubau den Mindeststandard der Energieeinsparverordnung (EnEV) um mindestens 30 Prozent zu unterschreiten. Das wird voraussichtlich schon im kommenden Jahr gesetzlicher Standard sein. 

Vertrag. Begriffe wie 1-Liter-Haus oder Niedrigenergiehaus sind nicht geschützt. Definieren Sie im Bauvertrag Grenzwerte, beispielsweise für die Prüfung der Luftdichtigkeit. Lassen Sie die Planung von einem Experten prüfen. Dabei zeigt sich, ob beim Wärmeschutz gemogelt wurde. Die Gütegemeinschaft Niedrigenergie-Häuser (www.guetezeichen-neh.de) bietet die Kontrolle von Planung und Bau eines Einfamilienhauses für zirka 2.500 Euro an. Die Zertifizierung der Planung durch das Passivhaus-Institut (www.passiv.de) kostet etwa 1.500 Euro. 

Gebäudehülle. Baulicher Wärmeschutz geht vor. Investieren Sie lieber in die Gebäudehülle als in teure Heiztechnik.  

Förderung. Nicht nur die staatliche Bank KfW fördert energiesparendes Bauen. Viele Länder oder Kommunen haben eigene Programme. Beispiel Hannover: Wer bis Ende Oktober ein Passivhaus baut, bekommt 6.000 Euro Zuschuss – zusätzlich!

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Wir haben uns vorbehalten, den Artikel zu kürzen.

 

 

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