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VON HUNDERT AUF NULL
Niedrigenergiehaus. Vor zehn Jahren verbrauchte ein Neubau für Heizung 100
Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr, heute sind 0 möglich.
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Niedrigenergiehaus ist Standard
[...] Wer heute
dagegen ein Haus baut, das gerade die gesetzlichen Vorgaben erfüllt, kann sich
da nicht so sicher sein. Die Energieeinsparverordnung (EnEV), die seit 2002 in
Kraft ist, schreibt zwar das „Niedrigenergiehaus“ als Standard vor. Doch der
Heizwärmebedarf für so ein Standardhaus liegt immer noch zwischen 70 und 90
Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr.
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Architekt Christian Teege: „Wer
heute ein Haus baut, das gerade die EnEV erfüllt, ist nicht zukunftsorientiert.
Er baut sich ein Haus, das heute schon alt ist“.
Ab 2009 will die Bundesregierung die EnEV verschärfen: Der
gesetzlich zugelassene Energieverbrauch für Neubauten soll dann 30 Prozent
geringer sein als heute.
Entscheiden sich Bauherren in diesem Jahr für den besseren
Standard, bekomm sie sogar noch Förderung dafür. Dann macht sich die Investition
nach wenigen Jahren bezahlt.
Sabine Stillfried vom Passivhaus-Institut blickt noch weiter:
„Wir gehen davon aus, dass das Passivhaus 2015 Standard sein wird. Das
Europäische Parlament fordert das Passivhaus ab 2011.
Förderung gibt keine
Sicherheit
Um den Energiesparwillen der Bürger zu unterstützen, fördert die staatliche KfW
Bank Bauherren, die mit ihrem Haus die Grenzwerte der EnEV deutlich
unterschreiten. Sie bekommen günstige Kredite aus dem Programm „Ökologisch
Bauen“.
Gefördert werden neben dem Passivhaus die sogenannten KfW-60-
und KfW-40-Häuser. Die 60 und die 40 stehen für den Primärenergiebedarf: Für
Heizung und Warmwasserbereitung darf der Energieaufwand inklusive Erzeugung und
Transport der Energie nicht mehr als 60 oder 40 Kilowattstunden pro Quadratmeter
und Jahr betragen.
Doch selbst wer eines dieser KfW-60- oder -40-Häuser
baut, kann nicht sicher sein, dass er ein Energiesparhaus bekommt. Das bestätigt
sogar die Fertighausindustrie. Detlef Bühmann, Präsident des Bundesverbands
Deutscher Fertigbau (BDF): „In vielen Fällen werden Bauvorhaben gefördert, die
keine Energiesparhäuser im eigentlichen Sinne darstellen, sondern lediglich eine
andere Form der Energie benötigen. Am besten ist aber die Energie, die gar nicht
verbraucht wird.“
Viele arbeiten mit Tricks
Prima tricksen können die Hersteller von Häusern mithilfe des
Primärenergiefaktors. Der Faktor berücksichtigt, wie viel Energie für die
Herstellung und den Transport eines Energieträgers benötigt wird. Er zeigt an,
wie „gut“ ein Energieträger ist:
Für Strom beträgt der Faktor
2,7, für Gas oder Öl 1,1 und für Holz 0,2. Um den Primärenergiebedarf eines
Hauses zu ermitteln, wird der Energiebedarf mit dem Primärenergiefaktor
multipliziert. Hat das Haus eine Holzheizung – meist eine Pelletheizung -, kann
es einen hohen Energieverbrauch haben, ohne dass der Primärenergiebedarf die
gesetzlichen Grenzwerte überschreitet. Ein Schutz vor hohen Energiekosten ist
das nicht.
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Es fehlen klare
Definitionen
Möglich wird
diese verwirrende Rechnerei durch die Energieeinsparverordnung. „Die EnEV
ist wie ein Kaugummi“, sagt Heiner Schulte von PAB Passivhaus. „Sie lässt
sich in allen Richtungen beliebig dehnen.“
Die EnEV schreibt Grenzwerte für den Energiebedarf vor, aber
nicht, wie diese erreicht werden. „So ist es auch möglich, dass die
Gebäudehülle schlecht gedämmt ist und nur durch energieeffiziente
Heiztechnik die Grenzwerte erreicht werden“, sagt Joachim Zeller von der
Gütegemeinschaft Niedrigenergie-Häuser.
Verwirrend ist der Urwald von Begriffen. Es gibt 1-, 2- oder
3-Liter-Häuser, Sonnenhäuser, Polarhäuser und vieles mehr. Die Namen sollen
dem Verbraucher signalisieren: Hier wird kräftig Energie gespart. Doch die
Begriffe sind Wortschöpfungen und nicht geschützt.
Die Anbieter dieser Häuser rechnen den Energieverbrauch zwar
vor, beispielsweise, dass ein 1-Liter Haus nur 1 Liter Heizöl pro
Quadratmeter und Jahr verbraucht. Aussagekraft haben diese Berechnungen
jedoch nicht, wenn nicht offengelegt wird, welche Rechenverfahren und welche
Bezugsgrößen ihnen zugrunde liegen.
Für Standardhäuser und für KfW-geförderte Häuser gibt es
zumindest die Energieeinsparverordnung als Grundlage, Passivhäuser werden
nach dem Passivhaus Projektierungspaket (PHPP) berechnet. Doch das hilft nur
in Grenzen.
„Wir haben nachgerechnet“, sagt Schulte. „Ein 1-Liter-Haus,
berechnet nach EnEV hat nach PHPP berechnet einen Bedarf von 3,2 Litern.“
Auch der Begriff „Passivhaus“ ist nicht geschützt. Wer
sichergehen will, sollte sein Haus zertifizieren lassen.
Fenster zu im Passivhaus
Schätzungsweise 8.000 Passivhäuser stehen mittlerweile in Deutschland – doch
die Vorbehalte sind noch groß. Schulte: „Das Passivhaus verlangt ein
Umdenken, ja. Wer nachts gern bei offenem Fenster schläft, muss sich
umgewöhnen. Aber wer es ausprobiert, merkt: Durch die Lüftungsanlage wird so
viel frische Luft zugeführt, dass er das geöffnete Fenster nicht vermisst.“
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Unser Rat
Baustandard.
Versuchen Sie mit Ihrem Neubau den Mindeststandard der
Energieeinsparverordnung (EnEV) um mindestens 30 Prozent zu unterschreiten.
Das wird voraussichtlich schon im kommenden Jahr gesetzlicher Standard
sein.
Vertrag.
Begriffe wie 1-Liter-Haus oder Niedrigenergiehaus sind nicht geschützt.
Definieren Sie im Bauvertrag Grenzwerte, beispielsweise für die Prüfung der
Luftdichtigkeit. Lassen Sie die Planung von einem Experten prüfen. Dabei
zeigt sich, ob beim Wärmeschutz gemogelt wurde. Die Gütegemeinschaft
Niedrigenergie-Häuser (www.guetezeichen-neh.de)
bietet die Kontrolle von Planung und Bau eines Einfamilienhauses für zirka
2.500 Euro an. Die Zertifizierung der Planung durch das Passivhaus-Institut
(www.passiv.de)
kostet etwa 1.500 Euro.
Gebäudehülle.
Baulicher Wärmeschutz geht vor. Investieren Sie lieber in die Gebäudehülle
als in teure Heiztechnik.
Förderung.
Nicht nur die staatliche Bank KfW fördert energiesparendes Bauen. Viele
Länder oder Kommunen haben eigene Programme. Beispiel Hannover: Wer bis Ende
Oktober ein Passivhaus baut, bekommt 6.000 Euro Zuschuss – zusätzlich!
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Wir haben uns vorbehalten, den Artikel zu kürzen. |