Quelle Haller Tagblatt - Oktober 2002

 

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Architekt

Rainer Neubauer

Stauffenbergstr. 20

 

74523Schwäbisch Hall

 

Fon  0791 - 97 09 70

Fax  0791 - 97 09 717

 

E-Mail: info@neubauer-architektur.de

Internet: www.neubauer-architektur.de 

 

NACHGEFRAGT /  Welche Vorteile bietet der Passivbau gegenüber dem konventionell gebauten Haus?

Heizen mit äußerst minimalem Energieeinsatz

Oberstes Gebot: dichte Haushülle durch zuverlässige Dämmung / Hoher Anspruch an architektonische Planung

 

Per Definition ist das Passivhaus ein Gebäude ohne aktives Heizsystem. Die Realisierung eines Objektes mit solch geringem Energieverbrauch stellt hohe planerische Anforderungen an den jeweiligen Architekten. Redakteurin Sabine Lenz sprach mit Dipl.-Ing. Rainer Neubauer aus Schwäbisch Hall.

 

Ein Haus ohne Heizung - wie geht das?

RAINER NEUBAUER: Von der Grundidee her verbraucht das Passivhaus wesentlich weniger Energie als ein konventionelles, nach der gültigen Energiesparverordnung gebautes Gebäude. Bei einem Passivhaus darf der jährliche Verbrauch maximal bei 15 kWh je Quadratmeter liegen. Das entspricht 1,5 Liter Heizöl pro Jahr und Quadratmeter. Erreicht wird dies zum einen durch exzellente Wärmedämmung. Wichtig ist vor allem aber auch eine außerordentlich kompakte Konstruktion.

 

Was bedeutet das?

R. NEUBAUER: Um den Energieverbrauch möglichst gering zu halten, muss das Verhältnis von Gebäudeoberfläche zu umbautem Raum möglichst gering sein. Die Idealform wäre eine Kugel. Das ist natürlich nicht umsetzbar. Die nächst günstige Form ist der Würfel. Im Klartext: Winkelbungalows, Erker etc. sind tabu. Je zerklüfteter die Form, also je mehr Oberfläche, desto größer die Wärmeverluste. Zudem sind Passivhäuser so konstruiert, dass rund 50 Prozent der Fensterflächen nach Süden orientiert sind, um die Sonneneinstrahlung zu nutzen. Die Fenster müssen so beschaffen sein, dass sie viel Licht durchlassen und wenig Energie nach draußen abgeben. Die Restenergie, die das Gebäude benötigt, wird über ein spezielles Lüftungssystem zugeführt.

 

Wie funktioniert dieses Lüftungssystem?

R. NEUBAUER: Die Lüftung ist so konzipiert, dass zum einen Abluft abgesaugt und über Wärmeaustausch wieder zugeführt wird. Zum anderen kommt Frischluft über einen Erdkollektor in die Innenräume. Das ist im Grunde ein Kunststoffrohr - in 1,5 Meter Tiefe verlegt. Dieses liefert im Winter vorgewärmte Luft, die in der Erde gespeichert ist und nie unter 5 Grad Celsius abfällt - im Sommer dagegen vorgekühlte Luft. Ideal sind zudem Rahmenkonstruktionen aus Holz, weil dadurch  Wärmebrücken vermieden werden.

 

Architekt Rainer Neubauer plant und konzipiert schwerpunktmäßig Passivhäuser.

 

Ist folglich eine Massivbauweise beim Thema Passivhaus nicht möglich?

R. NEUBAUER: Selbstverständlich kann ein Passivhaus auch massiv gebaut werden. Aber ich würde aus dem genannten Grund die Holzständerbauweise präferieren.

 

Und das Passivhaus hat  wirklich überhaupt keine Heizung?

R. NEUBAUER: In aller Regel sind Passivhäuser mit aktiven Solaranlagen ausgestattet. Diese erleichtern den Nachweis des tatsächlichen Energieverbrauchs, den man benötigt, um beispielsweise die - in Baden-Württemberg leider sehr geringen - Fördermittel in Anspruch zu nehmen.

 

Lüftungsschächte im ganzen Haus - bedeutet das nicht Geräuschkulisse und Zugluft?

R. NEUBAUER: Das sind Fragen, die immer wieder auftauchen. Aber die eingebauten Schalldämpfer unterdrücken die Geräusche im Haus. Gleichzeitig sind die Strömungs- geschwindigkeiten so gering, dass schon bei  20, 30 Zentimetern Abstand von den Lüftungsöffnungen keinerlei Zugerscheinungen mehr zu spüren sind.

 

Wie ist der Preisunterschied zum herkömmlichen Haus?

R. NEUBAUER: Passivhäuser sind nicht wesentlich teurer als herkömmliche Bauten. Dem gegenüber stehen allerdings immense Kosteneinsparungen im Heizkostenbereich. Wenn man an die ständig steigenden Energiekosten denkt, ist ein Passivhaus eine Investition in die Zukunft.

 

Wie kam es ursprünglich dazu, dass Sie sich als Architekt auf Passivhäuser spezialisiert haben?

R. NEUBAUER: Bereits seit 20 Jahren interessiere ich mich für die Baubiologie beziehungsweise für ökologisches  Bauen. Passivhäuser sind in ökonomischer und auch in ökologischer Hinsicht - man denke nur an den sparsamen Energieverbrauch und die CO2-Reduktion - gegenüber den herkömmlichen Gebäuden klar im Vorteil. Seit einem Jahr arbeite ich mit einer Passivhaus-Firma zusammen, die in enger Kooperation mit der FH Münster ein Konzept entwickelt hat, das den Vorgaben des Passivhausinstituts Darmstadt entspricht, welches wiederum - kurz gesagt - die Regeln aufstellt, über die sich ein Passivhaus definiert. Im übrigen stellt die individuelle Planung eines Passivhauses unter Berücksichtigung der erwähnten Rahmenbedingungen hohe Anforderungen an den Architekten. Das ist eine Aufgabe, die mich außerordentlich reizt.

Das zentrale Verwaltungsgebäude der Firma PAB Euro Passivhaus bei Osnabrück, vor einem halben Jahr in Passivbauweise fertiggestellt. Foto: PV

 

Quelle Haller Tagblatt - Oktober 2002

 

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